Gluten: das gesundheitsschädliche Eiweiß?

Immer mehr Menschen leiden an Glutenintoleranz. Oder etwa doch nicht? Die Zahl der Diagnosen steigt minimal, der Absatz von Lebensmitteln ohne Gluten jedoch rasant. In Amerika möchte fast jeder dritte auf Lebensmittel mit Gluten verzichten. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche glutenfreie Diäten und ein breites Angebot an Produkten ohne das Klebereiweiß. Ist Gluten tatsächlich so schlecht wie sein Ruf und was hat es mit der Glutenintoleranz auf sich?

Was ist Gluten?

Gluten (auch Klebereiweiß genannt) besteht aus verschiedenen Proteinen (Eiweiß). Diese Proteinkombination kommt in den Samen einiger Getreidearten vor - zum Beispiel in Weizen, Roggen und Dinkel. Die Grundbestandteile sind immer vorhanden, das eigentliche Gluten entsteht aber erst, wenn der Samen mit Wasser in Kontakt kommt. Gluten ist wichtig für die Elastizität von Teig und findet deshalb in sehr vielen Backwaren Verwendung. Zwei Begriffe tauchen in Verbindung mit dem Klebereiweiß häufig auf: Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) und Glutensensitivität.

Glutenunverträglichkeit: eine Krankheit mit Folgen

Die Glutenunverträglichkeit weist sowohl Merkmale einer Autoimmunerkrankung als auch einer Allergie auf. Die Dünndarmschleimhaut der Betroffenen reagiert auf Bestandteile von Gluten. Diese führen zu einer Entzündung der Darmschleimhaut und zerstören die Epithelzellen des Darms. In der Folge verbleiben wichtige Nährstoffe vermehrt im Darm und können nicht mehr vom Körper aufgenommen werden. Von der Zöliakie sind in Deutschland etwa 200.000 bis 300.000 Menschen betroffen. Bei vielen Betroffenen stellen Ärzte bereits in der Kindheit die Diagnose, weil die Symptome dort deutlich sind. Sie reichen von Durchfall und Erbrechen bis zu Appetitlosigkeit, verlangsamter körperlicher Entwicklung und Depression. Bei Jugendlichen und Erwachsenen können die Symptome weniger eindeutig sein. Nervosität, Knochenschmerzen und chronische Müdigkeit gelten als mögliche Indikatoren für Zöliakie. Ähnliche Symptome können aber auch bei einer Weizenallergie auftreten. Die Diagnostik zur Glutenunverträglichkeit wird mittlerweile oft mithilfe serologischer Tests durchgeführt. Die zunehmende Zahl der Diagnosen kann deshalb auf die verbesserten Verfahren zurückgeführt werden. Es gibt jedoch auch viele kritische Stimmen, die auf die vermehrte Verwendung von Gluten in der Nahrungsmittelindustrie verweisen. Auch die Genmanipulation von bestimmten Weizenarten wird als mögliche Ursache für vermehrte Beschwerdereaktionen auf Gluten diskutiert. Glutenunverträglichkeit ist oft erblich bedingt und kann nicht vollständig behandelt werden. Die Patienten können nur den Symptomen vorbeugen, indem sie auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Sie weichen dann auf glutenfreie Getreidearten wie Mais, Hirse, Reis und Pseudogetreidearten wie Amarant und Buchweizen aus.

Was ist der Unterschied zwischen Glutenunverträglichkeit und Glutensensitivität?

Glutenunverträglichkeit ist eine eindeutig diagnostizierbare Krankheit. Glutensensitivität beschreibt hingegen verschiedene Verdauungsbeschwerden und Symptome - zum Beispiel Ermüdungserscheinungen, die nach dem Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln auftreten. Jedoch ist es unter Experten immer noch umstritten, ob die Glutensensitivität tatsächlich aus körperlichen Reaktionen hervorgeht, oder eher psychischer Natur ist.

Gluten: häufig zu Unrecht verurteilt

Die Unverträglichkeit von Gluten ist eine ernstzunehmende Krankheit. Betroffene leiden unter ihr und ein Arzt kann sie diagnostizieren. Ob Gluten aber so schlecht ist, wie manche (vermeintliche) Ernährungsexperten behaupten, bleibt fraglich. Sich glutenfrei zu ernähren bedeutet nicht automatisch gesünder zu leben. Glutenfreie Lebensmittel scheinen ein Trend zu sein, von dem vor allem die Hersteller profitieren.